Triumph Rocket III 2010 Roadster
Was soll man zu solch einem Kraftpaket sagen!
Die technischen Daten sprechen für sich!
2300 ccm ( 2,3 l ) und 148 PS.
Der absolute Hubraumkaiser!
Seht euch das Video an und spürt die Kraft!
Muscle Bike
Das erste, was einem vor dem Aufsitzen auf die gewaltige Triumph Rocket III Roadster ins Auge springt, ist der riesige 24-Liter-Tank im Schrankwand-Format. Das sieht zunächst nicht nach Motorrad sondern nach Muscle Car aus. Hat man einmal im durchaus straffen Polster Platz genommen, wird klar, dass diese Rocket III Roadster nichts mehr gemein hat mit den anderen Rocket-III-Familienmitgliedern, für die gemütliches Cruisen im Mittelpunkt steht. Mittig platzierte Fußrasten und eine den Fahrer nach vorn orientierende Sitzbank bescheren eine typisch roadstermäßige Ergonomie mit recht fahraktiver Sitzposition. Allerdings sitzt man stärker auf, als im Motorrad und greift an den ausladenden Lenker. Sportlich orientierte Fahrer, aber auch Cruiser-Piloten müssen sich an diese Anordnung erst gewöhnen; sie repräsentiert ein ergonomisches Mittelding, das es bislang noch nicht gab.
Die Farbe ist egal – Hauptsache Schwarz
Für die schon im Namen vorweg genommene Orientierung in Richtung Streetfighter tritt der Muskelprotz in artgerecht düsterem Schwarz an, die beiden Farbvarianten „Matt Black“ oder „Metallic Phantom Black“ stehen zur Wahl. Darüber hinaus weisen viele Bauteile wie der Kühlergrill, die Telegabel und die hinteren Federbeine ein schwarzes Finish auf, das einen guten Kontrast zum blinkenden Chromzierrat bildet und die physische Präsenz dieses Motorrades noch hervorheben. Zwei riesige Schalldämpfer im angedeuteten Megaphon-Design bilden den stilecht fetten Abschluss einer wahrhaft imposanten Kulisse.
Doch all die peripheren Maßnahmen wären nichts ohne den passenden Antrieb, den riesigen 2.294-Kubikzentimeter-Dreizylinder, der der britischen Rocket-Familie ihre Identität verleiht. Für den Einsatz in der sportiven Roadster wurde der Motor mit dem weltweit größten Serienhubraum deutlich modifiziert: Eine neue 3-in-1-in-2-Auspuffanlage sieht nicht nur gut aus, sie macht im Zusammenspiel mit einer modifizierten Software und einem neuen Steuergerät die upgedatete Triple-Version sogar noch kräftiger als ihren Vorgänger: Das vormals schon beeindruckende Drehmoment von 194 Newtonmeter steigt auf unglaubliche 221 Newtonmeter bei lässigen 2750 Kurbelwellenumdrehungen, leistungsmäßig legt der Triple um 9 PS auf 148 Pferdestärken bei 5750 U/min zu. Diese Leistung gibt die Roadster in den ersten drei Gängen elektronisch gekappt ab, damit weder der Antrieb noch der Fahrer angesichts der Drehmomentberge zu Schaden kommt.
Imponierende Kraftentfaltung
Dabei benimmt sich der Drilling im Stand extrem kultiviert und sanftmütig, die Kupplung lässt sich überraschend leicht bedienen und der erste der fünf Gänge mühelos einlegen. Sanft kuppelt der Riese ein und sofort steht satter, sauber kontrollierbarer Schub zur Verfügung. Die Roadster entwickelt ihr bäriges Drehmoment ab Standgasdrehzahl imponierend gleichförmig, für einen 367-Kilo-Koloss beschleunigt sie aus dem Stand vehement voran. Trotz des beachtlichen Sprintvermögens gibt es eine Eigenschaft, mit der sie sich über den Rest der Zweiradgilde erhebt: Kein anderes Bike tritt im vierten oder fünften Gang beim Gasaufziehen aus dem Dahinrollen so ansatzlos brutal an wie diese Rocket III Roadster. Ihre Motorcharakteristik erlaubt das leise und kultivierte Durchrollen der Ortschaften im letzten Gang, nur um am Ortsausgang ohne Herunterzuschalten mit faszinierendem Durchzugsvermögen zu begeistern.
Eine starke Hand ist gefragt
Parallel zu Motoren-Upgrade und geänderter Ergonomie bekam auch das Fahrwerk sein Fett weg. Zwar liefert der robuste Rückgratrahmen aus Stahl immer noch unbeirrbare Stabilität und die Upside-Down-Telegabel ein feinfühliges Ansprechverhalten. Doch die beiden Federbeine im Heck geben sich nun viel sanftmütiger. Damit gleitet die Triumph fast über die nachlässig geflickten Landstraßen der britischen Midlands, die Fahrwerksabstimmung ist ausgewogen und beschert einen sorgenfreien Fahrkomfort. Für ein solch massiges Motorrad geht die Triumph sogar behände um die zahlreichen Ecken, das verdankt sie dem niedrigen Gesamtschwerpunkt und der ausgewogenen Gewichtsverteilung. Und die ausladenden Reifendimensionen mit breitem 150er vorn und mächtigem 240er Schlappen hinten wirken sich in flotter Fahrt kaum negativ aus, wohl jedoch bei Schritttempo und Langsamfahrt. Dann möchte die Fuhre von selbst in die Kurve kippen und verlangt nach einer starken Hand, die dagegen hält.
Bremse gut – alles gut!
Fast gedankenlos darf der Rocket-Treiber nun auch in die Bremstasten greifen, denn die Roadster verfügt als erste Rocket III über ein ABS, und das sogar serienmäßig. Auf einem stillgelegten
Militärflugplatz, der nun als Testareal für viele in den britischen Midlands beheimatete Automobil- und Tuningfirmen dient, durften die Stopper zeigen, was sie können: Aus einer Geschwindigkeit
von Tacho 190 km/h verzögert die Rocket III Roadster bei voll geworfenem Bremsanker ohne Schlingern und Stampfen völlig unspektakulär, das ABS regelt den Bremsdruck spürbar fein ein und beschert
sichere Vollbremsungen.
Klassische sportive Assoziationen weckt auch das chromgeränderte Runduhr-Duo mittig am Lenker. Neben gut ablesbaren analogen Anzeigen für Drehzahl und Tacho gibt es zwei kleine LCD-Anzeigen, in
denen sich neuerdings der gewählte Gang und die Restreichweite ablesen lassen – auch wenn die Ziffern dazu etwas klein geraten sind.
Fahrzit
Insgesamt macht die neue Rocket III Roadster einen sehr hochwertigen Eindruck, allein eine kleine wackelige Abdeckung an der rechten Lenkerarmatur gäbe es zu kritisieren. Das kann den guten
Gesamteindruck jedoch nicht trüben: Mit der Rocket III Roadster stellt Triumph ein Motorrad auf die breiten Räder, das mit seiner kraftstrotzenden Attitüde, dem Ausnahme-Motor und einer für
Cruiserverhältnisse erfrischenden Agilität etwas für sportiven Bad Boys unter den Cruiserfahrern ist. Die neue Rocket III Roadster kommt ab Dezember für 16.990 Euro in den Handel, ABS
inklusive.
Text: Thilo Kozik Biker Szene

